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Fünfeinhalb Irre im All: Der furiose Auftakt für eine Weltraum-Saga aus Leipzig Ralf Julke 27.07.2010
Fünfeinhalb Irre im All.Foto: Ralf Julke"Der Autor arbeitet derzeit an einer umfangreichen SF-Trilogie, deren erster Band im August 2009, der zweite im Oktober 2009 und der dritte spätestens im Januar 2010 im Handel sein soll." So schrieb Tino Hemmann noch 2009. "Der Rat der Planeten" hat jetzt schon vier Teile. Der fünfte ist in Vorbereitung.
So ging es schon manchem Autor, der anfangs ganz klassisch eine überschaubare Trilogie plant - und dann beginnt der Stoff zu leben, tauchen neue Mitspieler, Schauplätze und Verwicklungen auf. Und aus der Trilogie wird eine richtige Serie. Gerade in der Science Fiction passiert das oft. Nirgendwo sind der Phantasie der Autoren weniger Grenzen gesetzt, nirgendwo gibt es so viel Material zum Spielen.
Und wer in Band I der Serie eintaucht, merkt bald: Der 43-jährige Autor kennt seine Klassiker. Und irgendwie ist das Ganze auch gleich mal eine flotte Parodie - auf Dune - Der Wüstenplanet" und auf die amerikanischen StarWars"-Filme - wie Hemmann selbst erklärt. Aber hat das nicht schon einmal einer gemacht? Ein großer fabulierfreudiger Engländer namens Douglas Adams? - Hat er.
Hier tummeln sich nicht nur Bösewichter, sondern auch ein paar irdische Gestalten mit irdischen Schwächen: "Fünfeinhalb Irre im All". Wobei das nicht ganz erst zu nehmen ist. Denn wer im Weltall die falsche Abzweigung nimmt, landet natürlich wieder in einer neuen Welt - und verpasst das "Anhalter"-Universum um Haaresbreite. Was - wie erwähnt - ganz leicht passieren kann, wenn man das Regal gefüllt hat mit den Klassikern des Genres.
Und so heißen die rücksichtlosen Burschen, die die Erde planieren, diesmal nicht Vogonen, sondern Ikonier. Und ihre Absicht ist nicht ganz so knochentrocken wie die der Vogonen, die die verdatterten Erdlinge in letzter Minute noch informieren, dass die Pläne für die neue Weltraumschnellstrecke ja doch schon seit 50 Jahren auf Alpha Centauri zur Einsicht ausliegen.
Bei Hemmann sind es eher wieder die fiesen Geschöpfe aus "Starwars". Aber es geht natürlich genauso schnell. Und die fünfeinhalb Irren sind auch nicht wirklich irr, sondern eher der Zauberkiste der frühen Abenteuer-SF entsprungen. Ein bisschen Robert Heinlein klingt an, der noch optimistische Zukunftsmärchen mit lauter edlen und gut trainierten Weltraumfahrern und Kadetten schreiben konnte, die sich auch schnell mal hinterm Mond verstecken, wenn die Finsterlinge die Erde angreifen.
Unter den fünfeinhalb kleinen Genies befinden sich wie erwartet ein kluger Roboter mit Empfindungsvermögen - in diesem Fall heißt er Kozabim - zwei erfahrene Wissenschaftler, ein etwas übergewichtiger Jungastronaut, eine hinreißende Studentin aus dem Kryonik-Labor und zwei Brüder: Josef und Adam Müllermann. Der eine hochbegabt, aber ziemlich genervt von seinem superintelligenten kleinen Bruder. Und man merkt's bald: Es ist eine echte Hemmann-Geschichte. Er verlässt den Pfad der Parodie ziemlich bald und macht - wie in den meisten seiner Romane - den zwölfjährigen Adam zum Hauptdarsteller der rasanten Sternen-Welt-Geschichte, in der Lichtgeschwindigkeit eher was für Spaziergänger ist. Die Menschheit auf ihren abgelegenen Planeten hat zwar noch immer keinen Kontakt zu den Aliens und spielt im Konzert der Völker, die im Rat der Planeten vereint sind, auch keine Rolle.
Aber für einen wie Adam ist das kein Problem. Er trifft seine Entscheidungen noch schneller, als Menschen eine Konferenz einberufen können. Und schon ist man mittendrin in der Mantel-und-Degen-Geschichte um die gute Kaiserin Amelia und den finsteren Admiral Alyta. Und noch ehe Adam so richtig auskosten kann, dass er nun Prinz im Dritten Distrikt ist, wird die Kaiserin auch schon ermordet, landen Adams Freunde im planetarischen Zoo - da hat dann Tino Hemmann wohl auch noch Maurice Renard im Bücherschrank stehen.
Und während Robert Heinlein seinerzeit für Magazine schrieb, die am häufigsten von Jungen im Alter von 12 bis 16 gelesen wurden, schreibt Hemmann in einem Stil, der ebenfalls diese Lesergruppe anspricht - freilich nicht ganz so brav wie der junge Heinlein, eher ein bisschen so frivol wie der alte Heinlein.
Und auch ähnlich schonungslos: Nicht nur Sternenkreuzer und Planeten werden ausgelöscht, auch Adams Bruder muss dran glauben. Der Bösewicht Alyta ist tatsächlich ein ganz ausgemachter Schurke. Spielend kann er den kompletten Rat der Planeten überzeugen, dass Amalia und Adam die Bösen sind.
Andererseits ist die Geschichte auch "ein Abbild der gegenwärtigen irdischen Politik", schreibt Hemmann. Ja, leider muss man da sagen. Genau diese platten Teilungen in Gute und Böse, in Freunde und Terroristen macht ja irdische Politik zu einem Irrenhaus. Nur zu oft haben ja gerade Science-Fiction-Leser das Gefühl, dass all die Weltraum-Usurpatoren gar nicht bekloppt genug sein können, um den irdischen Vertretern des regierenden Schwachsinns das Wasser zu reichen.
Wie's weitergeht mit der Geschichte? - Keine Ahnung. Der erste Band endet damit, dass Adam als frisch installierter Kaiser zwar pfiffig und überlegen eine Schlacht gegen die Ikonier gewinnt. Doch mitten in der Schlacht taucht unverhofft eine völlig neue Flotte auf, die Alyta in Windeseile auf dem demolierten Planeten Erde aufgebaut hat, eine übermächtige Roboterflotte, die dann wohl im zweiten Band "Invasion der Robomutanten" eine tragende oder explodierende Rolle spielen wird. Das Buch muss noch gelesen werden irgendwann in den nächsten Tagen zwischen Frühstück und Leselampe.
Tino Hemmann "Der Rat der Planeten. Fünfeinhalb Irre im All", Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2009, 12 Euro
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