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Buchvorstellung: Der unwerte Schatz von Tino Hemmann
Enzo s. über das Buch: Der unwerte Schatz von Tino Hemmann Broschiert: 437 Seiten Verlag: Engelsdorfer Verlag; Auflage: 1 (2005) Sprache: Deutsch ISBN: 3938288418 Preis: EUR 16,00 Kein Buch wird jemals in der Lage sein, Tote wieder lebendig zu machen. Ein Buch jedoch ist durchaus in der Lage, Lebende vor dem Tod zu bewahren Zitat: Der unwerte Schatz, Seite 7 Der Roman handelt von einer Zeit, an die wir uns ungern erinnern: Kinder-Euthanasie in Nazi-Deutschland vom 18. August 1939 bis zur offiziellen Beendigung im August 1941. Tatsächlich wurde die Tötung von Behinderten und Geisteskranken als so genannte wilde Euthanasie bis zum Kriegsende fortgeführt. Doch ist unter dem Begriff Euthanasie (griechisch , von eu - gut, richtig, leicht, süß und thanatos - der Tod) zu verstehen? Am 1. September 2006 jährte sich zum 67. Mal der offizielle Beginn der Euthanasieaktion der Nationalsozialisten. Hitler und sein Ärztestab verfolgten damit die Beseitigung deutscher Behinderter, Kranker und nachweislich auch verhaltensauffälliger Kinder. An einem ersten September veröffentlicht der sächsische Autor Tino Hemmann seinen Roman "Der unwerte Schatz", der sich an den nachgewiesenen Morden an unzähligen sogenannten verhaltensauffälligen Kindern aus der Unterrichts- und Pflegeanstalt des Gertrudenheims im Kloster Blankenburg bei Oldenburg, orientiert. Am 1. September 2006 jährte sich zum 67. Mal der offizielle Beginn der Euthanasieaktion der Nationalsozialisten. Hitler und sein Ärztestab verfolgten damit die Beseitigung deutscher Behinderter, Kranker und nachweislich auch verhaltensauffälliger Kinder. Um Geld für den Krieg zu sparen, um Platz für Soldatenlazarette zu schaffen, um die arische Rasse von Behinderten zu säubern, ja um den Bedarf bestimmter Ärzte an menschlichem Material zu befriedigen, brachte die Gemeinnützige Krankentransport GmbH immer wieder deutsche Kinder in grauen Bussen mit lackierten Fenstern in die Vernichtungsanstalten des Deutschen Reiches. 13.720 Menschen wurden allein in der Pirnaer Vernichtungsanstalt "Sonnenstein" vergast. Parallel zu dieser offiziellen Vernichtungsaktion wurde in den Anstalten, Kinderstationen und Kinderpsychiatrien gemordet ohne Unterlass. Eines der betroffenen Kinder beschreibt Hemmann in seinem Roman, atemberaubend die Kaltblütigkeit, mit der Ärzte und Pfleger vorgingen, ein Zeitdokument, das sich mit Geschehnissen befasst, die im Geschichtsunterricht kaum erwähnt werden: Die Aktion T4. Hugo Hassel wird Heiligabend 1931 in Leipzig geboren, bald schon ist er Vorzeigebeispiel für die arische Rasse, blond und blauäugig und außergewöhnlich intelligent. Dass der Vater für sein soziales Abseits einen Prügelknaben sucht, bekommt Hugo bald zu spüren. Da ist Fritz, der Zwillingsbruder Hugos, der die Misshandlungen über sich ergehen lässt. Er ist Hugos bester Freund. Doch Fritz existiert nicht wirklich. Die intensiven Gespräche und Erlebnisse, zwischen Hugo und Fritz, sind für die Außenwelt Selbstgespräche. Bei der obligatorischen Schuluntersuchung 1938 fällt Hugos ausgeprägte multiple Persönlichkeitsstörung auf, damals fälschlicherweise oft der Schizophrenie gleichgestellt. Fortan interessieren sich die Professoren der Kinderklinik der Leipziger Universität für Hugo, der wie die Gleichaltrigen seine Kindheit genießen will. Hemmann beweist die kindliche Normalität des Jungen, im Kartoffellager, in der Schule. Allmählich folgt die Ausgrenzung des Jungen, denn er passt nicht in das vorgeschriebene System: Hugos ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, seine krankheitsbedingten Träume, die Machtlosigkeit derer, die dem Jungen helfen wollen. Ein Professor der Abteilung für jugendliche Psychopathen sieht in Hugo ein Forschungsprojekt. Keineswegs will er dem Jungen helfen. Die Mutter muss das Kind an ihn abtreten. Sein Ziel, das Gehirn des kleinen Jungen nach dessen Vergasung zu untersuchen, um damit Berühmtheit zu erlangen, wird unterstützt durch die Manipulation eines Meldebogens im Rahmen der von Hitler gewünschten Euthanasieaktion T4 und der Legalisierung des Mordvorhabens an dem kleinen Jungen. Hugo Hassel gerät immer mehr in den Strudel nazistischer und ärztlicher Machenschaften, in den Wahnsinn einer Zeit, die bestimmt wird von Krieg und Korruption, und von der höchsten Form der Verachtung der Menschenwürde: der Vernichtung angeblich unwerten Lebens. Der Roman kennt keine Kompromisse, denn gegenüber den betroffenen Kindern gab es sie nicht.
1939 begann die Vernichtung unwerten Lebens, rechtlich untermauert bis 1941. Genannt wurde diese Aktion T4, nach dem Sitz der zentralen Dienststelle in Berlin, Tiergartenstraße 4. Denn dort wurden die Meldebögen durch drei Untergutachter ausgewertet, die aus der Ferne über Leben oder Tod des Kindes befanden. Nach 1941 kam es im deutschen Reich zu einer wilden Euthanasie. Unzählige Menschen ließ man verhungern oder half mit Überdosen von Medikamenten nach.
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