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Maximilian öffnet allmählich die Augen. Der eigene Schrei verhallt. Er liegt in seinem Bett, der schwarze BMW ist verschwunden und ebenso Hans. Der Junge erhebt sich, sucht mit den Füßen die Hausschuhe, tastet mit der rechten Hand nach dem Schalter der Nachttischlampe und betätigt ihn. Aber sie bleibt dunkel.
Jetzt erinnert sich Maximilian. Er ist allein. Es gibt keinen Strom. Das Telefon funktioniert nicht, auch mit dem alten kann er niemanden erreichen.
Er berührt mit der Hand das Kopfkissen. Es ist feucht von den eigenen Tränen.
Regungslos sitzt er da und denkt an den Traum.
Hannes Kliems toter Körper und die ständige Erinnerung an die starren Augen sind die Strafe dafür, einen Tag lang Held gewesen zu sein. Seitdem weicht Hannes nicht mehr aus Maximilians Leben. Vor allem in den Nächten besucht er ihn oft und redet mit ihm. Maximilian hingegen hat in den Zeitungen nach einem Hinweis gesucht, der den Fall hätte lösen können, in der Hoffnung, Hannes würde Ruhe geben. Doch er hat nichts entdeckt. Die Zeitung schrieb, jemand hätte das Opfer mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen, vorher wäre Hannes massiv misshandelt worden. Der Mörder ist jedoch nicht gefunden worden.
Der Junge steht auf und geht vier Schritte zu seinem Schrank. Er nimmt einen Pullover heraus, eine Jeans und ein Paar Socken, läuft zurück zum Bett und zieht die Sachen über den Schlafanzug. Vorsichtig verlässt er das Zimmer, steht auf der kleinen Empore, von der aus die Holztreppe in die untere Etage führt. Maximilians Fußspitze berührt eine Glasmurmel. Er hebt sie auf und betrachtet sie lange. Dann lässt er die Murmel in eine Hosentasche gleiten.
Er blickt hinunter und ist erschrocken, beginnt zu zittern. Unten glaubt er einen Schatten zu erkennen, der vor dem geöffneten Schrank der Einbauwand pendelt. Hinter der Wand versteckt schaut Maximilian um die Ecke. Doch der Schatten, der wie der Torso eines dicken Menschen wirkt, bewegt sich plötzlich, die Schranktür schließt sich und der Schatten entweicht durch eine Wand.
Maximilian atmet hektisch. Er klammert sich am Treppengeländer fest, während er zögernd hinuntergeht. Unten blickt er ängstlich um sich. - Nichts. Er sieht keinen Schatten und keinen Fremden.
Er hat geschlafen! Oben im Bett.
"Mami?", schreit Maximilian, so laut er nur kann. "Mami, bist du jetzt da?"
Er lauscht erneut. - Nichts.
Wieder kriechen Tränen über seine Wangen. Der Junge rennt zur Tür. Er öffnet sie und wirft sie mit aller Kraft zu. - Kein Ton.
Maximilian saust in die Küche, nimmt eine Kaffeetasse aus dem Schrank und wirft sie mit voller Wucht gegen die Wand. Er trifft die Uhr, deren Zeiger sich nicht bewegen. Kein Klirren. Die Tasse zerbricht nicht, sie fällt auf den Boden, dreht sich lange geräuschlos im Kreis, bis sie still liegen bleibt.
Er hebt die Tasse auf und betrachtet sie von allen Seiten. Kein Kratzer, keine Schramme, kein Sprung ist zu sehen!
"Das gibt es doch nicht", flüstert er. "Das kann doch nicht sein!"
Noch einmal wirft er die Tasse, dieses Mal gegen das Fenster. Das Ergebnis erschreckt Maximilian mehr, als wäre das Fensterglas mit einem Krachen zersprungen: kein Ton, kein kaputtes Glas. Die Tasse prallt zurück, fällt wieder auf die Küchenfliesen, dreht sich und bleibt schließlich still liegen.
Er rennt aus der Küche. Im Flur reißt er das Schüsselband vom Haken und hängt es sich im Lauf um den Hals. Dann verlässt er das Haus und eilt zur Straße, wo er wie angewurzelt stehen bleibt.
Nach wie vor ist er allein. Kein Auto weit und breit, kein Rauschen dringt von der Autobahn zu ihm, er hört weder die Tram noch irgendetwas anderes. Er geht zum Carport. Hinter den Autos steht das Fahrrad. Er zerrt es hervor und stößt mit einem Pedal gegen die Tür von Conrads Golf. Erschrocken hält Maximilian inne und tastet mit der Hand die Tür ab. Zum Glück ist weder eine Delle noch ein Kratzer zu spüren. Conrad würde ihn erschlagen! Das rote Auto liebt der Freund der Mutter mehr als alles andere.
"Du bist einen Scheiß wert gegen dieses Auto!", hat Conrad einmal zu ihm gesagt. "Noch weniger als Scheiß! Nichts bist du wert!"

*

"Maximilian, kommst du abendessen?", rief die Mutter.
Der Junge schlug das Buch zu und ging hinunter in die Küche. Es waren Ferien, er war am Tag mit Leon baden gewesen. Leon war im Freibad über den Zaun geklettert, weil er kein Geld für den Eintritt gehabt hatte. Leon störte das aber nicht.
"Ist Conrad nicht da?", fragte Maximilian hoffnungsvoll und setzte sich.
"Ich habe keine Ahnung, wo er sich rumtreibt. Er geht nicht ans Handy. Er wollte zum Arbeitsamt, vielleicht gibt es einen Job für ihn."
Dem Jungen schmeckte das Abendessen. Er saß neben der Mutter an dem länglichen Tisch. Auf der anderen Seite lag Conrads Brettchen auf dem Tisch, daneben stand eine Flasche Bier.
Ihm fiel auf, dass die Mutter sich wieder intensiver schminkte als noch vor einigen Tagen.
"Vielleicht hat er Stress", sagte Maximilian, der die Unruhe der Mutter nicht verstehen konnte. "Mit der Polizei." Der Junge grinste.
Conrad war häufig zu schnell gefahren. Nun durfte er einen Monat lang kein Auto fahren, tat es aber trotzdem. Der Monat hatte gerade erst begonnen.
"Bloß nicht!", sagte die Mutter. "Du weißt, was für schlechte Laune er dann bekommt. Und das wollen wir doch nicht, oder?"
"Conrad hat immer schlechte Laune", stellte der Junge fest. "Haut er dich auch manchmal?"
Die Mutter sah ihren Sohn erstaunt an. "Nein", sagte sie und wurde rot. "Das tut er nie!"
"Das blaue Auge, das du hattest, war es nicht von ihm?"
Die Mutter verschluckte sich und hustete. Maximilian klopfte ihr vorsichtig auf den Rücken. Sie trank Tee und beruhigte sich wieder.
"Er hat dich doch geschlagen."
"Ich habe mich gestoßen, das habe ich dir schon erklärt, Maximilian."
"Warum jagst du ihn nicht einfach wieder weg?"
Sie sah den Jungen ein Weilchen an und antwortete nicht.
"Papi hast du auch weggejagt. Und der war tausendmal besser als Conrad."
"Ich habe deinen Vater nicht weggejagt."
"Doch, Mami. Das hast du." Maximilian kuschelte sich an die Mutter.
Sie begann plötzlich zu weinen und hielt den Jungen fest an sich gedrückt.

*

Maximilian saß an seinem Schreibtisch, erledigte die Hausaufgaben und hörte dabei Musik aus seinem MP3-Player. Er trug Kopfhörer. Der Player war ein Geburtstagsgeschenk gewesen. Er hatte sich von allen Geld gewünscht und ihn sich davon gekauft. Sein Vater hatte ihm geholfen, die Musik vom Rechner zu laden.
Der Junge hörte nicht, dass jemand die Tür öffnete. Plötzlich lag eine Hand auf seiner Schulter und der Jemand nahm ihm die Kopfhörer ab.
"Papi!" Maximilian erhob sich und drückte den Vater. "Schau mal hier." Er zog einen Hefter aus dem Ranzen und schlug ihn auf. "Ich habe eine Eins in Mathe bekommen. Die einzige Eins in der ganzen Klasse." Er sah den Vater stolz an.
"Ich freue mich", sagte der und freute sich nicht. Sein Sohn sah es ihm an.
Der Vater setzte sich auf das Bett. "Komm her, Junge." Er hielt die Arme auf.
Maximilian lief zu ihm und setzte sich auf seinen Schoß. Der Vater drückte den Jungen an sich und flüsterte ihm ins Ohr: "Ich muss dich verlassen, Maximilian. Frag nicht warum. Ich habe eine kleine Wohnung gemietet. Im Zentrum. Du kannst mich bestimmt manchmal besuchen."
Längere Zeit war Ruhe. Dann flüsterte das Kind: "Was hast du gerade gesagt, Papi?"
Der Vater drückte den Jungen noch fester an sich. "Vergiss mich nicht, Maximilian. Bitte vergiss mich nicht."
Er hob den Jungen von seinem Schoß, gab ihm einen Kuss auf die Stirn und verließ das Zimmer.
Maximilian saß regungslos auf dem Bett. Irgendwann ging er hinunter und fand seine Mutter in der Küche.
Er lehnte sich an den Tresen und beobachtete sie, die ihm nicht ins Gesicht sehen konnte. Sie wusch zehn Minuten lang eine Untertasse ab.
"Warum hast du das getan, Mami?", flüsterte er, und genau in diesem Moment begannen die Tränen über seine Wangen zu fließen. "Warum hast du Papi weggeschickt, Mami?"
Die Mutter drehte sich nicht um. Maximilian hörte jedoch ihre Stimme. "Er kann nicht mehr bei uns sein. - Ich habe nichts getan, glaub mir. Für uns ist es das Beste, dass er nicht mehr bei uns lebt. - Warum das so ist, wirst du erst später begreifen."
Maximilian kannte andere Kinder, deren Eltern sich trennten. Dass auch ihm so etwas passieren könnte, daran hätte er nicht im Traum gedacht.
"Ich bin kein Baby mehr! Ich kann es verstehen! Wie kannst du behaupten, dass es gut ist, wenn Papi nicht mehr bei mir ist? - Du hast ihn einfach weggeschickt!", schrie er plötzlich. "Ich hasse dich!"
Die Untertasse zersprang auf den Bodenfliesen. Sie war der Mutter aus den zitternden Fingern gerutscht.

*

"Ich habe Angst vor Conrad", flüsterte die Mutter. "Ich habe Angst, dass er dir etwas antut, wenn ich mich von ihm trenne. - Ich wusste nicht, dass er so ist ..." Sie wischte sich Tränen aus dem Gesicht.
Maximilian sah die Mutter ernst an. Die Haustür krachte ins Schloss. Conrad kam heim.
"Ihn wegzuschicken, davor solltest du keine Angst haben, Mami", flüsterte der Junge.
Conrad sagte kein Wort. Er öffnete die Bierflasche und trank sie in zwei Zügen leer. Dann setzte er sich an den Küchentisch. "Was glotzt ihr mich so an?"
Die Mutter legte die belegte Semmel zurück auf den Teller. Sie schluckte. "Du hättest wenigstens guten Tag sagen können."
"Ein guter Tag?", schrie Conrad aufgebracht. "Ein Scheißtag ist das heute, ein hässlicher Scheißtag!"
Maximilian zuckte zusammen.
"Was ist passiert?", fragte die Mutter.
"Passiert? Irgendein Scheißtyp hat gegen mein Auto getreten. Scheinwerfer im Arsch, Delle in der Motorhaube. Und Kratzer! - Das ist passiert! Ich kann ja nicht mal zu den Bullen gehen. Nicht mal das kann ich."
Maximilian erhob sich wortlos, ging zur Haustür und lief hinaus. Conrads roter Golf stand im Carport, jedoch nicht so wie gewöhnlich. Die Front hatte Conrad versteckt. Langsam lief der Junge um das Auto herum. Die linke Lampe war kaputt und er entdeckte auch die Delle. Er zuckte mit den Schultern.
"Was machst du da?", hörte er Conrad sagen. "Wag ja nicht, jemandem davon zu erzählen!"
Maximilian wagte es nicht, jemandem etwas zu sagen.
Zudem geschah zwei Tage später etwas, das ihn weitaus mehr beschäftigte.

*
Vorsichtig schiebt Maximilian das Rad aus dem Carport und läuft zur Straße. Erneut blickt er sich um und lauscht. - Nichts!
Es ist dunkel, kein Windhauch ist zu spüren und kein einziges Geräusch zu hören. Er stellt das Rad an den Straßenrand, krempelt das rechte Hosenbein hoch, setzt sich auf den Sattel, stößt sich ab und radelt los. Er fährt auf die rechte Straßenseite, bewegt sich am Rand entlang, obwohl kein Auto zu sehen ist. Immer wieder sieht er sich um. Er rollt sehr langsam. Die Stille ist bedrückend. Rechts neben der Straße führen die Straßenbahnschienen entlang, eine hohe Betonkante trennt die Tram-Trasse von der asphaltierten Fahrbahn.
Das Quietschen! Der Reifen von Maximilians Hinterrad schleift an der Halterung des Gepäckträgers. Sonst ist immer ein rhythmisches Quietschen zu hören! Warum jetzt nicht?
Er hält an, steigt vom Rad, hebt es etwas hoch und bewegt das Hinterrad. Es schleift, doch es quietscht nicht.
Der Junge blickt sich erneut um. Die Straße verläuft geradeaus, verliert sich in großer Entfernung zwischen den Plattenbauten eines Wohngebietes.
Er steigt wieder auf, tritt kräftiger in die Pedale und beginnt zu rasen. Er spürt keinen Windhauch.
Plötzlich bremst er, steigt erneut ab und klappt den Dynamo an den Reifen. Wieder hebt er das Rad an und dreht das Hinterrad. Die Lampen bleiben dunkel, das schnurrende Geräusch des Dynamos ist nicht zu hören.
Maximilian schaut in alle Richtungen. ›Es muss doch irgendein Mensch hier sein!‹, überlegt er.
"Hallo?", brüllt er. Und noch einmal lauter: "Hallo!"
Nichts.
Die Fahrt geht weiter, er nähert sich der großen Straßenkreuzung. Alle Ampeln sind aus, auch die riesige Straßenlampe auf der Mitte der Kreuzung leuchtet nicht.
Zögernd fährt der Junge an die Kreuzung heran und hält an. Eine Schuhspitze berührt den weißen Streifen.
Verwundert schaut er in die sonst auch nachts stark frequentierte Querstraße, auf der kein Auto zu sehen ist. Gegenüber, an der Taxihaltestelle, stehen immer die Taxifahrer und warten auf Kunden, doch heute hält dort kein einziges Taxi. Maximilian kratzt sich den Haaransatz, dann stößt er sich ab und fährt auf die Kreuzung.
Wie aus dem Nichts taucht ein brummendes weißes Auto auf, berührt Maximilians Vorderrad, bremst mit einem ohrenbetäubenden Quietschen, dreht sich auf der Kreuzung und schlittert ins Gleisbett der Tram. Lärm! Ein schrilles Klingeln ertönt. Bevor Maximilian reagieren kann, liegt er auf dem Asphalt.
Er hebt den Kopf an, er sieht eine Straßenbahn, die mit großem Tempo aus der Dunkelheit schießt und mit voller Wucht gegen das weiße Auto stößt. Glas splittert, Autoteile fliegen durch die Luft, das Autowrack wird von der Tram zur Seite geschoben und kurz darauf zwischen der Bahn und einem Betonmast eingequetscht, der knirschend und krachend auf die Straße fällt.
Der Junge ist geblendet von einem hellen Licht! Das weiße Auto brennt!
Er rappelt sich auf, läuft ein paar Schritte und stolpert. Auf der Straße liegt eine Frau. Sie ist aus dem Auto geschleudert worden. Maximilian kniet sich neben sie. Ihr Pullover ist zerrissen, aus der Bauchgegend quillt Blut und sammelt sich auf dem Asphalt.
Sie greift nach Maximilians Hand, der zu keinem Wort fähig ist. "Meine Mädchen ...", wimmert die Frau. "Meine Kinder ..."
Maximilian reißt sich hoch und rennt zu dem lichterloh brennenden Auto. Er spürt die Gluthitze, die ihm entgegenschlägt. Jetzt schreit er, will sich dem Fahrzeug nähern, kann es jedoch nicht. Ein Flammenmeer versperrt ihm den Weg. "Jemand muss helfen!", brüllt Maximilian. "Ihre Kinder sind da drin!" Er blickt sich suchend um. Die Frau, die eben noch auf der Straße gelegen hat, ist verschwunden.
"Mami?", hört der Junge eine zarte Stimme.
Er läuft um das brennende Auto herum.
Zwei Mädchen sitzen zwischen den Schienen, sie halten sich an den Händen und sehen völlig gleich aus. Zwillinge!
Maximilian kniet sich hin, will eines der Mädchen tröstend berühren, aber er greift ins Leere.
Er spürt die Hitze des Feuers nicht mehr, wieder ist es kalt, dunkel und still.
Erstaunt springt er auf. Alles ist verschwunden! Der Betonpfeiler steht unberührt neben der Straßenkreuzung. Wo eben noch das Auto gebrannt hat, ist jetzt eine gleichmäßig geschnittene Rasenfläche zu sehen. Auch die Tram ist weg. Der Junge glaubt zu erkennen, dass sich schwarze Schatten von der Kreuzung entfernen.
Maximilian rennt zu der Stelle, an der die Mutter der Zwillinge gelegen hat. Aber auch hier ist nichts mehr zu sehen. Kein Blut, keine Frau, nichts!
Hektisch atmend und nach Hilfe suchend schaut der Junge mehrmals in alle Himmelsrichtungen. Aber da ist niemand.
Er kontrolliert seinen Arm, auf den er gestürzt ist. Aufgeregt streift er den Ärmel hoch. Kein Kratzer, keine Schürfwunde ist am Ellenbogen zu sehen, sosehr sich der Junge auch verrenkt. Selbst die Knie der Hose sind heil!
Maximilian geht nachdenklich zu seinem Fahrrad, hebt es auf und betrachtet es ungläubig. Alles ist ganz. Die verchromten Teile glänzen in der Finsternis.
Er lässt das Rad wieder fallen und vermisst erneut das klappernde Geräusch, als es auf dem Asphalt aufschlägt.
Der Junge sitzt auf der Bordsteinkante, auf den schwarzen Straßenbelag starrend, während ringsum eine unheimliche Stille herrscht.
"Was ist nur passiert?", flüstert er. Eine Woge Selbstmitleid überschwemmt ihn. Er fühlt sich einsam und verlassen. Tränen sammeln sich in seinen Augen. "Ich verstehe das nicht." Maximilian führt ein Selbstgespräch. "Zuerst war der Schrei, dann bin ich aufgewacht. Dann der Mann im Keller, der schwarze Schatten im Wohnzimmer. Jetzt der Unfall. Es kann doch nicht sein, dass ich das alles träume. Ich bin nicht verrückt! Aber ich verstehe das nicht!"
"Dass du nichts verstehst, hat seinen Grund. Du bist ein kleines Individuum, ›k‹ wie ›kleines‹ und ›Ind‹ wie ›Induviduum‹. Das Ergebnis des Buchstabenspiels lautet ›k-Ind‹! Du bist ein Kind. Deshalb verstehst du nichts."
Mit schreckgeweiteten, feuchten Augen dreht sich Maximilian um. "Wer bist du?", fragt er und sieht hinauf.
Direkt hinter ihm, auf dem Fußweg, steht ein dunkelhäutiger junger Mann. Er hält sich an dem Betonpfeiler fest, den Maximilian vor Minuten auf der Straße hat zersplittern sehen. Die Haare des Mannes sind lang, dunkel und lockig, die Dunkelheit ignorierend trägt er eine Sonnenbrille mit sehr dunklen Gläsern. Er ist ausgesprochen groß, steht auf einem Skateboard und schaukelt darauf hin und her. Maximilian erkennt die schwarzen Lederstiefel, die zum Teil von einem langen, ebenso schwarzen Ledermantel verdeckt werden, dessen Kragen hochgeschlagen ist und der dem ohnehin schmalen Gesicht des Mannes ein geheimnisvolles Aussehen verleiht.
Der Fremde springt vom Skateboard und tippt es mit einer Stiefelspitze an. Das Skateboard wirbelt durch die Luft. Er fängt es geschickt mit einer Hand auf und setzt sich neben den Jungen auf die Bordsteinkante. "Wie lange?", fragt er.
"Was - wie lange?", fragt Maximilian zurück. "Was meinst du damit?"
"Wie lange bist du hier?"
"Hier? Auf der Straße?"
"Mein Gott, was bist du für einer? Du versuchst all meine Fragen mit Gegenfragen zu beantworten. Das kann ich nicht ausstehen." Der Fremde erhebt sich wieder, dreht sich einige Male um die eigene Achse, so dass sich der Ledermantel aufbläht, streckt die Arme aus und ruft: "Nicht auf der Straße, Dummkopf. Hier, in dieser Welt!" Er setzt sich erneut neben Maximilian und redet sehr schnell. "Wie gesagt, du bist ein Kind. Ein Kind. Ein kleines Individuum. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit konntest du den Sinn meiner Frage nicht begreifen. Kinder sind Dummköpfe, weil sie nichts wissen. Kleine, unintelligente Dummköpfe. Klaro? Und weil du ein kleines, dummes Kind bist, werde ich meine Frage umformulieren, damit du sie verstehst und beantworten kannst." Er atmet tief ein. "Kindgerecht formuliert heißt meine Frage: Hast du eine Mami?" Er redet wie mit einem Baby.
Maximilian staunt, dass ein Mensch in so kurzer Zeit so viel reden kann. "Ja. Ich habe eine."
"Und seit wann ist deine Mami verschwunden?"
Der Junge schaut dem jungen Mann ins Gesicht, versucht die Augen hinter den dunklen Gläsern zu erkennen. "Ich bin ins Bett gegangen. Und als ich aufgewacht bin, war ich allein."
"Allein? Ich bin doch hier, womit bewiesen ist, dass du nicht allein sein kannst. - Spaß beiseite, Dummkopf. Wann genau war das?"
"Ich weiß nicht ... Und ich bin kein Dummkopf!"
"Nein?" Der Fremde schiebt die Brille in die Stirn, sein Gesicht kommt sehr nah an das von Maximilian heran. Der junge Mann verdreht die dunklen Augen. "Du weißt es nicht und willst trotzdem kein Dummkopf sein? Vielleicht bist du ja auch kein Dummkopf. Beweis mir, dass du kein Dummkopf bist. Was hast du erlebt? Sprich, sprich, niemand kann sagen, wie viel Zeit mir bleibt, dir zuzuhören!"
"Zeit? Erlebt?"
"Ja, was hast du erlebt? Hier, in dieser scheinbar ewigen Nacht. Kannst du dich erinnern oder hat der kleine Dummkopf schon vergessen, was ..."
"Ich bin kein ..."
"Oh, wie gemein von mir. Vielleicht solltest du mir deinen Namen verraten - falls du ihn nicht auch vergessen hast. Wenn ich deinen Namen kenne, muss ich das böse D-Wort nicht mehr benutzen."
"Maximilian. Ich heiße Maximilian. Maximilian Kramer. Und ich wohne da vorn." Er zeigt in die Richtung, aus der er gekommen ist. "Und du?"
"Willst du wahrhaftig wissen, wo ich wohne? Oder willst du wissen, wie ich heiße? Was willst du, Maximilian Kramer? Was? - Kramer. Wie Kram, Kramen, Kramladen, Krimskrams ..."
Der Junge erhebt sich, baut sich vor dem Fremden auf und verschränkt die Arme. "Okay, hör auf! Also, wie heißt du?"
"Kein Mensch kann meinen Namen aussprechen. Frag mich, wie man mich nennt."
"Na gut, dann also: Wie nennt man dich?"
"Wie man mich nennt? Man nennt mich Iwa."
"Iwa? Was ist das für ein blöder Name?"
"Blöder Name? - Mein Gott, Maximilian! Habe ich nicht gerade erläutert, dass Iwa nicht mein Name ist, sondern dass man mich so nennt? Habe ich davon gesprochen?"
Der Junge nickt. "Okay, das hast du. Aber warum Iwa?"
"Das muss ich dir nicht sagen. Ich bin nicht dazu verpflichtet."
Maximilian blickt den Fremden mit ernstem Gesichtsausdruck an. "Ich werde dich aber immer wieder fragen. Warum Iwa? Warum Iwa? Warum Iwa?"
"Du bist ein kleiner Sackgänger!" Erneut verdreht Iwa die Augen. "Eine Ewigkeit treffe ich hier keinen Menschen. Und dann ausgerechnet dich! Ein Kind, das sich vehement dagegen wehrt, ein Dummkopf zu sein, was der Sache an sich widerspricht, und das sich zudem als einzigartiger Sackgänger auszeichnet." Iwa gibt dem Skateboard einen Schubs. Es rollt langsam zur Mitte der Kreuzung.
"Conrad sagt auch manchmal Sackgänger zu mir. -Warum Iwa?"
"Conrad? Wer bitte schön ist Conrad? - Du wirfst mit Fachausdrücken um dich und definierst mir ihre Bedeutung nicht. Was soll das? Vertraust du mir nicht? He! Sag schon, wer ist Conrad?"
Maximilian läuft zum Skateboard, stellt einen Fuß darauf, nimmt Schwung und rollt zu Iwa. An der Bordsteinkante bremst er geschickt.
"Alle Achtung. Hat Conrad dir das beigebracht?", fragt Iwa erstaunt.
"Nein." Der Junge setzt sich direkt vor den Fremden auf das Skateboard. "Conrad hat mir noch nie etwas beigebracht."
"Wer ist Conrad?"
"Der Freund meiner Mutter."
"Also dein Vater?"
"Nein. Er ist nicht mein Vater. Er ist nur mein Stiefvater."
Iwa nimmt die Sonnenbrille ab und verstaut sie im Inneren des Ledermantels. Er klemmt das spitze Kinn zwischen seine Finger, die Stirn ist faltig. "Er ist dein Stiefvater. Gut. Aus deiner wissenschaftlichen Definition des Sachverhaltes kann ich ableiten, dass du diesem Stiefvater nicht gerade aufrichtig freundschaftlich liebevolle Gefühle entgegenbringst. Was ist mit deinem leiblichen Vater?"
"Erst hat Mami ihn weggeschickt ...", flüstert Maximilian.
Der fremde Mann mit der dunklen Hautfarbe lässt einige Sekunden vergehen, darauf wartend, dass Maximilian mehr erzählt. Da der Junge schweigt, flüstert er: "Ja, ja. So gemein sind sie, unsere Mamis. Und dann?"
"Dann ist er weit weggezogen. Und dann ..."

*

"Er ist weit weggezogen."
Maximilian schaute erschrocken auf. "Er hat gesagt, ich kann vielleicht manchmal bei ihm sein."
"Dein Vater hat eine andere Frau kennengelernt, er ist zu ihr gezogen und hat eine neue Arbeit. - Du musst ihn endlich vergessen."
Der Junge zitterte am ganzen Körper. "Vergessen? - Mami! Ich darf meinen Papi doch nicht einfach vergessen! Außerdem habe ich ihm versprochen, dass ..."
"Conrad ist jetzt dein Vater", unterbrach ihn die Mutter.
"Conrad? Conrad ist nicht mein Vater! Conrad ist nur ein beschissenes, blödes Arschloch! Ich will zu Papi!" Maximilian schrie die Worte voller Hass und Wut.
"Das geht nicht, Maximilian."
Tränen ergossen sich über die Wangen des Kindes. "Wo ... wohin ist Papi gezogen?"
"Nach München. Er wohnt jetzt in der Nähe von München."
Der Junge warf sich auf das Bett und weinte bitterlich.
Die Mutter verließ das Kinderzimmer.
Später nahm Maximilian das Mobilteil des Telefons und schloss sich im Badezimmer ein. Er suchte die Handynummer des Vaters im Speicher.
"Hallo?", meldete sich eine Frauenstimme am anderen Ende.
Maximilian bekam kein Wort heraus, seine Kehle war wie zugeschnürt.
"Hallo?", fragte die Frauenstimme erneut. "Wer ist denn da?"
"Ich bin es, Maximilian. Ich will meinen Papi sprechen." Die Stimme des Jungen war heiser.
Er lauschte in den Hörer, es herrschte Stille, bis endlich der Vater zu hören war.
"Maximilian? He, was ist los?", fragte er mit übertrieben freundlicher Stimme.
"Du weißt genau, was los ist, Papi. Warum bist du weggezogen? Warum hast du mir nichts gesagt?"
"Es ... Maximilian ... Versteh doch! Ich musste ins ... Verstehst du?"
"Du hast gesagt, ich soll dich nicht vergessen!"
"Du sollst mich auch nicht vergessen, Maximilian."
"Ich ... Aber ... Wenn du für immer weg bist, werde ich dich vergessen. Das weißt du!"
Maximilian drückte auf die kleine rote Taste. Der Vater sollte sein Weinen nicht bemerken.
Er legte das Telefon zurück in die Ladeschale und rannte hinauf in sein Zimmer. Dort stieg er auf das Bett, riss das Modell der MiG von der Decke und warf es gegen die Wand. Die Splitter verteilten sich im ganzen Zimmer.

*

Maximilian sieht Iwa ein Weilchen in die Augen. "Ich habe den Flieger wieder zusammengebaut. - Später", flüstert er.
Der junge Mann nickt übertrieben. "Okay, ich verstehe dich. Ja, ich verstehe deinen Kummer. Ist durchaus nachvollziehbar. Völlig klar. - Kommst du mit?" Er steht auf und streicht den Mantel glatt. Dann prüft er, ob alle Knöpfe bis hinauf zum Kragen geschlossen sind.
"Wohin?"
"Dorthin, wo ich jetzt wohne."
"Wo ist das?" Maximilian geht zum Fahrrad, hebt es auf und fährt los. Iwa nimmt Schwung und rollt auf dem Skateboard neben dem Jungen her.
"Das wirst du sehen."
"Warum nennen sie dich gerade Iwa?", ruft Maximilian.
"Iwa. So nannten mich die anderen Studenten. Ich weiß alles. Das ist eine Abkürzung. ›I‹ für ›Ich‹, ›w‹ für ›weiß‹ und ›a‹ für ›alles‹. Iwa. Kapiert?"
"Wie alt bist du?"
"Ich schätze so um die zweiundzwanzig. - Und du?"
"In einem Monat werde ich zehn."
Iwa lacht! "In einem Monat? - Woher willst du das wissen?"
Maximilian bremst abrupt. Iwa hält sich am Fahrrad fest, so dass der Junge fast stürzt. "Wie meinst du das?"
"Wie ich das meine? - Mit großer Sicherheit ist es unmöglich, definitiv vorauszusagen, dass du in einem Monat zehn wirst."
"Ich verstehe dich nicht."
"Du kannst es nicht verstehen."
"Und warum nicht?"
"Du bist ein kleines Individuum. Schon vergessen?"
"Erklär es mir."
"Später. - Vielleicht später. - Los, fahr weiter!"
Maximilian stellt sich auf die Pedale und drückt die Beine mit aller Kraft hinein. Iwa steht auf dem Skateboard und hält sich am Gepäckträger fest. Allmählich kommt das Gespann in Fahrt.
"Schneller, Maximilian! Schneller!", schreit der Student und fuchtelt wie wild mit dem freien Arm in der Luft herum. "Nächste Kreuzung - links einordnen! - Juchhu!"
Die Beine des Kindes wirbeln immer ungestümer, gemeinsam rasen sie die Straße hinunter, fahren durch eine lange Kurve in einen Kreisverkehr. Maximilians Beine werden nicht müde, sein Atem ist gleichmäßig, als würde er sich nicht anstrengen.
"Jetzt abbiegen!"
Sie nähern sich einem großen Einkaufszentrum. Der riesige Parkplatz ist leer, die Geschäfte und Kaufhäuser liegen im Dunkeln.
"Hier wohnst du?", schreit Maximilian.
"Ja. Momentan wohne ich hier!", ruft Iwa hinter ihm. "Fahr zum Eingang!" Er lässt den Gepäckträger los, das Fahrrad erhöht die Geschwindigkeit wie von allein, Maximilian kracht beim Bremsen mit dem Vorderrad gegen eine Bordsteinkante und stürzt kopfüber auf den Beton. Er stößt mit der Stirn gegen einen Mülleimer und kurz darauf landet sein Fahrrad auf ihm.
Iwa bremst das Skateboard geschickt, rollt es an die Seite und nähert sich lachend dem Jungen, der sich mühsam erhebt und dabei gleichzeitig sein Knie und seinen Kopf betastet.
"Dafür bekommst du eine glatte Zehn!", ruft der Student. "Die Haltungsnoten sind nicht so gut, aber der Schwierigkeitsgrad war bedeutsam."
"Warum lachst du?", schreit Maximilian ärgerlich. "Das tut vielleicht mal weh!" Und noch immer reibt er sich die Beine. "Hör auf mit deinem blöden Lachen!"
Iwas Stimme klingt wieder ernst. "Vergiss die anatomische Anfälligkeit der menschlichen Art. Nichts tut dir weh. Du glaubst lediglich, dass dir nach diesem schrecklichen Sturz etwas wehtun muss. Dein Erinnerungsvermögen macht dir die Schmerzen glaubhaft."
Maximilian lässt die Beine los. Er bewegt erst sie, dann die Arme, schließlich den Kopf. Tatsächlich, nichts tut ihm weh. Keine Schürfwunde ist zu sehen, kein Kratzer. "Das kann doch nicht sein!", sagt er und blickt den Studenten fragend an.
"Auch eine typische Angewohnheit der menschlichen Art, mein Freund. Es kann nicht sein, was der Mensch nicht versteht. Es kann nicht geben, was der Mensch nicht sieht. Selbst ausgewachsene Individuen verhalten sich so, nicht nur die kleinen."
Maximilian kontrolliert das Fahrrad. Auch hier ist keine Schramme zu sehen.
"Ich will versuchen, die objektiven Zustände unseres derzeitigen Seins in kindgerechte Worte zu fassen." Iwa setzt sich auf eine Bank und Maximilian sitzt sogleich daneben. "Diese Zustände scheinen hier Gesetzmäßigkeiten zu sein. - Es sind genau sechs Gesetze. Erstens: Personen, die sich hier aufhalten, sind unverwundbar, egal was sie tun. Zweitens: Die atmosphärischen Zustände des begrenzten Bewegungsraumes der hier anwesenden Personen sind außer Kraft gesetzt. Zu ihnen gehören Wetterveränderlichkeiten und der Wechsel von Tag und Nacht. Drittens: Die Sinnesorgane der hier verweilenden Personen nehmen nur das auf, was hier verweilende Personen von sich geben, nicht aber die der scheinbaren Umgebung. Hier riecht eine Blume nicht. Hier gibt es kein Licht. Hier hörst du nichts. Lediglich die visuellen Erscheinungen sind wahrnehmbar. Eine Ausnahme bilden die extradimensionalen Störungen aus der realen Welt. Viertens: Egal was die hier anwesenden Personen verändern, in bestimmten Zyklen wird alles auf einen Nullpunkt zurückgesetzt. Dies geschieht ausschließlich während einer Schlafphase der Personen. Fünftens: Die hier anwesenden Personen können alle Bedürfnisse des Individuums Mensch unterdrücken. Einzige Ausnahme ist der Schlaf, der benötigt wird, um den Ursprung wiederherzustellen. Und letztendlich sechstens: Hier anwesende Personen dürfen sich nicht gegenseitig berühren."
Maximilians Augen sind weit geöffnet, als könne er so den Sinn der Worte besser erfassen. Viel begreift er jedoch nicht.
"Das sechste Gesetz werde ich dir beweisen. Reich mir deine Hand, Maximilian!", fordert Iwa plötzlich.
Der Junge zögert, doch dann greift er zu. Gleichzeitig mit der Berührung der Hand des Studenten trifft Maximilian ein gewaltiger Schlag! Er wird von einer Druckwelle durch die Luft geschleudert, vor seinen Augen ist kurzzeitig alles schwarz.
Während er auf dem Boden liegt, suchen seine Blicke und finden Iwa am Eingang des Einkaufszentrums, fünfzig Schritte von ihm entfernt. Gleichzeitig stiebt eine Wolke schwarzer Gestalten auseinander.
Iwa läuft zu Maximilian. "Womit die sechste Gesetzmäßigkeit bewiesen wäre. Hier anwesende Personen dürfen sich nicht gegenseitig berühren."
Maximilian atmet hektisch, obwohl er wiederum keinen Schmerz fühlt. "Was sind das für schwarze Gestalten?"
"USD. Ich nenne sie USD."
"USD?" Der Junge folgt dem Studenten zum Eingang und will das Fahrrad aufheben. "Was bedeutet USD?"
"Lass es liegen, Maximilian. Niemand wird es dir wegnehmen. - Undefinierbarer Sicherheitsdienst. USD. Scheint hier so etwas wie eine Polizei zu sein. Manchmal geht der USD ziemlich hart vor. Es ist ihm egal. Wahrscheinlich wissen diese Schatten vom USD von der ersten Gesetzmäßigkeit. Du erinnerst dich: Personen, die sich hier aufhalten, sind unverwundbar, egal was sie tun."
"Warum sind wir unverwundbar?" Der Junge schüttelt heftig den Kopf. "Das kann doch alles nicht sein!"
"Wie gesagt, Maximilian: Eine typische Angewohnheit der menschlichen Art. Es kann nicht sein, was der Mensch nicht versteht. Es kann nicht geben, was der Mensch nicht sieht. Bei kleinen Individuen - wie du leider eins bist - sind diese gewöhnlichen Eigenschaften besonders stark ausgeprägt. Fakt ist: Wir sind hier. Fakt ist: Hier gelten die genannten sechs Gesetzmäßigkeiten."
"Das mag alles sein, Iwa, aber was ist hier?"
Der Student bleibt augenblicklich stehen. "Was diese Frage angeht, gibt es nur eine Antwort: Das muss ich noch herausfinden. In Beziehung auf die Definition des Standortes ›Hier‹ bin auch ich ein ... du weißt schon, das böse D-Wort. - Komm jetzt endlich."
Maximilian schüttelt den Kopf. "Das ist alles so komisch. - Warum ist die Tür hier in der Nacht offen? Können wir einfach reingehen?" Er folgt Iwa und schaut sich ununterbrochen um, stets damit rechnend, die Polizei oder jemand vom Sicherheitsdienst würde auftauchen und beide festnehmen.
"Dass die Tür offen ist, besser gesagt, dass hier alle Türen offen sind, gehört zum Ist-Zustand. Man kann sich ewig darüber wundern, man kann sich aber auch damit abfinden und diesen Fakt - wie all die anderen - akzeptieren. Verstehst du, Maximilian Kramer?"
"Nein."
Iwa betritt ein Geschäft und fordert Maximilian auf, ihm zu folgen. Er schwingt sich über den Verkaufstresen und steht an der Kasse. "Was möchtest du? Eine goldene Uhr? Oder eine Halskette für fünftausend Euro? Die sind heute im Angebot!"
Erschrocken sieht Maximilian hinaus in den Gang. Kein Mensch ist zu sehen. Niemand interessiert sich für die beiden Besucher des Uhren- und Schmuckladens.
Währenddessen öffnet Iwa einen Kasten und holt verschiedene goldene Ketten unter der Auslage hervor. "Komm her!", fordert Iwa und hängt Maximilian die Ketten um den Hals. "Das sind die teuersten, die ich finden konnte."
"Bist du verrückt? Leg sie zurück. Schnell, bevor es jemand sieht!"
"Hast du Angst? Warum habe ich dir ausführlich die sechs Gesetzmäßigkeiten erläutert, die über uns bestimmen? Ich wiederhole die vierte: Egal was die hier anwesenden Personen verändern, in bestimmten Zyklen wird alles auf einen Nullpunkt zurückgesetzt. Dies geschieht ausschließlich während einer Schlafphase der Personen. Du kannst alles Mögliche mitnehmen und dich daran erfreuen oder nicht. Wenn du das nächste Mal aufwachst, liegen die Ketten wieder hier in diesem gottverdammten Glasfach! - Verstanden? - Und versuch erst gar nicht, irgendetwas kaputt zu machen ..."
"Ich weiß, dass das nicht geht. Ich habe es zu Hause ausprobiert. - Ist in der Kasse Geld?"
"Natürlich." Iwa drückt ein paar Tasten der Kasse, die Schublade öffnet sich. Er greift mit beiden Händen hinein und wirft Geldscheine und Münzen über sich.
"Bist du völlig verrückt?" Maximilian begreift nicht. "Was tust du da?"
"Früher habe ich mir so etwas gewünscht - einen Geldsegen. Aber jetzt ... Das Geld ist nichts wert. Nichts. Kapierst du das?"
Der Junge bückt sich und liest einige Scheine und Münzen auf. "Nein", antwortet er. "Es sieht doch aus wie richtiges Geld!"
"Es ist auch richtiges Geld. Doch wozu brauchst du es, wenn du dir alles nehmen kannst? Dieses Geld ist nichts wert. Auch das Gold, der Schmuck, die Diamanten ... Das ist alles Dreck, sinnloser Dreck, verstehst du?"
Erneut schüttelt Maximilian den Kopf.
"Komm mit!" Iwa geht um den Tresen herum und hält Maximilian die Ladentür auf. "Vielleicht war Schmuck nicht das anschaulichste Beispiel für ein kleines Individuum wie dich. Los, komm!"
Noch einmal sieht sich der Junge in dem verwüsteten Geschäft um. Um den Hals trägt er mehrere goldene Ketten. Draußen auf dem Gang ist es dunkel und still. Wortlos folgt Maximilian dem Erwachsenen.
Vor einem Imbiss bleibt Iwa stehen. "Wie sieht es mit deinem Appetit aus? Hast du Hunger oder Durst?"
"Ich weiß nicht." Maximilian schaut in den Imbiss hinein. Sonst riecht es hier nach Wurst und Essen. Heute jedoch ist alles sauber, leer und geruchlos.
"Du weißt es", erklärt Iwa. "Es gibt keinen Hunger, keinen Durst. Es gibt hier nichts zu essen und nichts zu trinken. Wir sind auf solche Dinge nicht mehr angewiesen."
"Warum fragst du dann?"
Iwa gibt Maximilian auf diese Frage keine Antwort.
Der Junge bleibt plötzlich stehen. Er blickt durch das Schaufenster eines Spielzeuggeschäfts.
Iwa, der weitergegangen ist, bemerkt Maximilians Fehlen und läuft zurück.
"Du kannst reingehen und dir nehmen, was du möchtest. Nur ... die ferngesteuerten Autos funktionieren nicht."
"Ich will nichts davon!" Der Junge starrt durch die Scheibe, er haucht sie an, doch sie beschlägt nicht. "Wir sind tot", flüstert er plötzlich.
"Wie bitte?"
Maximilian wendet sich zu Iwa. "Um mit deinen Worten zu sprechen, Herr Doktor: Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir nicht mehr leben! Wir sind tot! Was auch immer das hier bedeutet ..., all der ganze Scheiß beweist nicht mehr und nicht weniger, als dass du und ich nicht mehr leben. - Kapiert?"
"Nein. Er beweist lediglich, dass wir nicht mehr bei den anderen sind. Nur das. Wir wurden von der Herde getrennt. Nun ist es eine Frage der Zeit, dass der Hirte uns findet."
"Der Hirte?"
"Der gute Hirte. Das verstehst du nicht. Du bist nur ein ..."
"... Kind. Ich weiß", sagt der Junge traurig.
"Komm mit!" Iwa will Maximilians Hand ergreifen, doch zuckt er im letzten Moment zurück. Er sagt kein Wort.
Mit kurzen, schnellen Schritten läuft Maximilian ihm hinterher. Sie erreichen den Eingang eines großen Elektronik-Marktes. Maximilian sieht die Einkaufskörbe, die ordentlich gestapelt vor der Sperre stehen. Iwa drückt die Sperre auf und läuft weiter. Er geht zu einer stillstehenden Rolltreppe, steigt eilig hinauf. Oben betreten beide die Computerabteilung, vor einem riesigen Bildschirm setzt sich Iwa im Schneidersitz auf den weichen Bodenbelag. "Komm her und setz dich zu mir, Maximilian Kramer!", fordert er.
Der Junge lässt sich in Iwas Nähe nieder, legt sich auf den Boden und sieht den jungen Mann nicht an.
"Ich weiß nicht, ob ich die richtigen Worte finde, damit du es begreifen kannst ...", beginnt Iwa eine Rede.
Der Junge dreht sich zu ihm um. "Rede mit mir wie mit einem Großen!", sagt er barsch.
"Okay, okay." Iwa sucht nach Worten. "Wissenschaftlich gesehen ..."
"Aber hör bitte mit diesem wissenschaftlichen Scheiß auf!"
"Okay ... Ich denke, es ist bewiesen, dass wir nicht tot sind."
"Warum denkst du das?"
"Ich habe in dieser Welt häufig Menschen gesehen, die plötzlich verschwanden. Nämlich genau in dem Moment, als sie wirklich tot waren. Wir aber bleiben in dieser Welt. Also sind wir nicht tot."
"Aber ... aber ... warum sind wir hier? Wenn wir noch leben, dann haben wir hier nichts zu suchen!"
"Dass wir nicht tot sind, hat nicht zwangsläufig zu bedeuten, dass wir noch leben."
"Du spinnst! Weißt du, was ich denke?"
"Was denkst du?"
"Ich denke, dass ich einen verdammt langen, hässlichen Traum träume. Und wenn er zu Ende ist, dann werde ich aufwachen und denken, warum nur war ich so bekloppt zu glauben, dass ich das wirklich erlebt hätte! Das denke ich!"
Iwa räkelt sich und kommt näher an Maximilian heran. "Hast du jemals einen Traum geträumt, in dem jemand vorkam, den du vorher nicht gekannt hast? Gab es jemals einen Traum, der so echt war wie dieser?" Er schaut den Jungen mit weit geöffneten Augen an und flüstert: "Kneif dich in den Arm!"
Maximilian kneift sich in den Arm. "Ich spüre nichts", sagt er dann.
"Wenn du es im Traum tun würdest, würdest du die Schmerzen spüren und aufwachen."
"Nein." Maximilian schüttelt den Kopf. "Nein. Wahrscheinlich würde ich nichts spüren und weiterträumen."
Iwa erhebt sich und klopft gegen den großen Plasmabildschirm. "Wenn du im Traum einschläfst, meinst du, dass du an der gleichen Stelle aufwachst, an der dein erster Traumabschnitt begann? Immer und immer wieder?"
"Ich weiß nicht. Was passiert genau, wenn ich einschlafe?"
"Du wirst an der gleichen Stelle erwachen, an der du erwacht bist, als du diese Welt betreten hast. Mir ist das schon einige hundert Male passiert. Was geschieht, wenn du in dieser Welt aufwachst?"
"Ein Schrei weckt mich", flüstert Maximilian.
"Gut, ein Schrei. Wer schreit?"
"Ich."
"Du? Und warum schreist du?"
"Ich weiß es nicht."
"Du weißt es nicht. Ebenso ergeht es mir. Immer wieder wache ich mit meinem eigenen Schrei auf. Immer wieder. Anfangs wusste ich nicht, was dieser Schrei bedeutet. Doch dann, ganz plötzlich, fand ich die bewusste Stelle, an der mein Schrei das erste Mal auftauchte. Die Stelle, die Ausgangspunkt des Hierseins ist. Ich erfuhr, welche Bedeutung der Schrei hat. Ganz plötzlich und unerwartet geschah es."
"Und warum hast du geschrien?", fragt Maximilian.
Iwa zögert. "Warum? - Vielleicht sag ich es dir irgendwann. Vielleicht zeig ich es dir. Jetzt nicht. Man wird angezogen von der Stelle, an der es geschah, verstehst du? Man kann nichts dagegen tun. Irgendwann erreicht man die Stelle."
Maximilian schweigt. Die Augenlider werden ihm allmählich schwer. Immer wieder fallen seine Augen zu.
"Ich habe heute einen Unfall miterlebt, eine Frau und ihre beiden kleinen Mädchen ... Sind sie gestorben?"
"Hast du sie aus den Augen verloren, sind sie vor deinen Augen verschwunden?"
"Ja, ich wollte sie berühren, sie waren so echt, so nah ... Und dann ..."
"Sie sind tatsächlich gestorben."
"Ist es heute passiert?" Maximilians Augen sind trotz der aufsteigenden Müdigkeit weit geöffnet.
"Kann sein, muss aber nicht. Manchmal bin ich irgendwo an einer Stelle, an der jemand stirbt, dann muss ich es mit ansehen. Es waren Dinge dabei, die vor vielen Jahren geschahen. Immer ist es das Gleiche: Die Leute tauchen erst auf, wenn feststeht, dass sie sterben."
"Werden wir auch sterben?", flüstert der Junge. "Dauert es bei uns vielleicht nur länger?"
Er hört aus großer Entfernung die Worte, die Iwa als Antwort haucht. "Du hast es tatsächlich begriffen. Du bist ein kleines Individuum und hast es doch begriffen ..."
Maximilian möchte das Gespräch fortführen. Zunächst schaut er Iwa längere Zeit an. Endlich stellt er eine Frage: "Warum kannst du Kinder nicht leiden?"
Iwa wendet sich erstaunt zu Maximilian. "Wie kommst du darauf, dass ich Kinder nicht leiden kann?"
"Weil du es sagst."
"Nein, Maximilian Kramer, das habe ich nie gesagt, und niemals möchte ich, dass du behauptest, ich hätte es gesagt. Immerhin war ich selber ein Kind. Ich halte mich lediglich an die wissenschaftliche Definition des kleinen Individuums. Du unterliegst einem Paralogismus."
"Para... was?"
"Paralogismus. Der wissenschaftliche Bereich menschlicher Logik. Deine Meinung ist Ausdruck eines Denkfehlers und führt dich zu einem Fehlschluss."
"Warum siehst du alles immer nur wissenschaftlich?"
"Sehe ich das?" Der Student verdreht die Augen. "Ist mir noch nicht aufgefallen, Herr Kramer. Wahrscheinlich ist das Studium schuld. Ein Bombardement meines armen Gehirns mit Fremdwörtern und Definitionen. Du musst wissen, ich studiere seit einigen Jahren menschliche Psychologie, speziell die des kleinen Individuums, sprich die Kinderpsychologie. Wie soll ich dir das begreiflich machen? Eine grundsätzliche Erkenntnis in Bezug auf die Lebensform Mensch ist, dass es zwei bedauernswerte Abschnitte im menschlichen Leben gibt."
"Bedauernswert?"
"Unterbrich mich nicht! Ein Professor würde niemals einen Vortrag unterbrechen, ist der Inhalt auch noch so armselig. Der erste bedauernswerte Abschnitt im Leben eines Menschen ist die Kindheit, die bekanntlich bei den meisten bis zum vierzehnten Lebensjahr geht. Ich erläutere anschließend die Gründe meiner These. Der zweite bedauernswerte Abschnitt ist das Altwerden, beginnend ab fünfundsechzig. Letztgenannte These lässt sich einfach erklären und selbst du wirst sie verstehen. Alte Menschen erwarten das Ende ihres Daseins, den Tod. Sie dürfen nicht mehr aktiv am produktiven Leben teilnehmen, ihr Hirn wird durch Krankheiten und Verkalkung arg in Mitleidenschaft gezogen, der Körper verfällt zusehends. Daher kann man sie nur bedauern. Fakt ist auch, dass die Gesellschaft ihnen eine Doktrin aufzwingt, nach der sie in völlige Abhängigkeit von der Gesellschaft geraten." Iwa hört sich an wie ein Wissenschaftler. Maximilian staunt über seine Worte.
"Und warum meinst du, dass Kinder bedauernswert sind?"
"Diese These zu beweisen ist wesentlich komplizierter. Du musst dich darauf konzentrieren, was ich sage. Wenn ein Kind geboren wird, ist sein Gehirn praktisch leer. Vergleiche einfach ein Gehirn mit einem Computerspeicher. Einen neuen Rechner schaltest du ein und er verlangt von dir, dass du ein Betriebssystem installierst. Sein Speicher ist zunächst leer. Die Baugruppen sind lediglich vorformatiert. Neugeborene sind ebenso strukturiert. Das Gehirn ist vorformatiert und wartet auf das Betriebssystem. Die Vorformatierungen - menschlich betrachtet - sind die vorhandenen fünf Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und Schmecken und natürlich eine ganze Menge von Erwartungen, die die einzelnen Bauteile des menschlichen Körpers an das Gehirn weiterreichen: Hunger, Durst, Appetit auf Luft, sich bewegen wollen und so weiter. Einen Rechner kann man in kurzer Zeit erwachsen werden lassen, man spielt das Betriebssystem auf und anschließend ein paar Programme. Bei einem bedauernswerten kleinen Individuum ist das nicht so einfach, wenigstens hat es die moderne Gesellschaft noch nicht auf diesem Weg probiert. Das Betriebssystem und die Anwenderprogramme installieren sich bei den meisten Kindern im Laufe der ersten vierzehn Lebensjahre. Was im Gehirn programmiert und eingeschrieben wird, sind nichts weiter als Erfahrungen. Alle menschlichen Gehirndaten sind Erfahrungen. - Merk dir das. - Einem Neugeborenen fehlt es an Erfahrungen, daher ist sein Gehirn leer, was durchaus als bedauerlich eingestuft werden kann. Erfahrungen sind nicht nur eigenständige Daten, die das Kind aufnehmen muss, weil es existiert, es sind auch Programmierungen von außen: Moralpredigten, Dogmen, Werte, Lehren aus der Schule. Es gibt zwei Formen der unbewussten Motivation zur Datenaufnahme: Einmal ist es der Fluss des Lebens, zum anderen sind es die Störungen des Lebens wie Krankheiten und Schicksalsschläge. Aus all diesen Daten entwickelt ein Mensch seine Erwartungen an die eigene Zukunft. Das kleine Individuum durchläuft einige Phasen. Die erste Phase - bei einem Computer ist dies die Installation des Betriebssystems - ist die Prägephase in den ersten sieben Lebensjahren eine grundsätzliche Ausstattung des Gehirns. Hier werden von den äußeren Einflussfaktoren, zu denen man auch die Erziehungsberechtigten zählt, die meisten Fehler gemacht, die sich zeitlebens auf das Individuum auswirken werden. Nur ein Beispiel: Ein Kind, das in den ersten sieben Jahren ständig verwöhnt wird, stellt sehr hohe Ansprüche an seine Umgebung, auch wenn es erwachsen ist. Bis zum zehnten Lebensjahr bilden sich in dem kleinen Individuum die Wertvorstellungen. Bis zum vierzehnten Lebensjahr folgt die Nachahmphase. Es entwickelt Vorbilder - schlechte und gute. Anschließend wird es erwachsen. Diesen Vorgang nennt man Pubertät, was nicht nur damit zu tun hat, dass das Individuum von nun an neue kleine Individuen erzeugen kann, weil es geschlechtsreif ist, sondern es passt sich in das bestehende Sozialsystem ein, daher nennt man diese Phase auch Sozialphase. Hier ist der Einfluss der Gesellschaft sehr groß. - Hast du alles verstanden?" Iwa sieht Maximilian erwartungsvoll an.
"Also bin ich gerade dabei, alles nachzumachen?"
"Im weitesten Sinne - ja."
"Das stimmt aber nicht."
"Es ist wissenschaftlich bewiesen."
"Ich bin nicht zu bedauern."
"Natürlich bist du das." Iwa lacht. "Du bedauerst dich ja selbst."
Maximilian schweigt. Er wird plötzlich müde und legt sich auf den Boden.
Bald schläft er.
Glanzlos hängen die goldenen Ketten an seinem Hals, denn zum Glänzen fehlt ihnen das Licht.