„Tino Hemmann gelingt mit seinem Roman ein beeindruckendes Gemälde des Naziterrors, das neben Imre Kertész’ Roman eines Schicksallosen zur Pflichtlektüre an den Schulen gehören sollte.“ (Hans-Henning Paetzke, Budapest)

„Hugo Hassel gerät immer mehr in den Strudel nazistischer und ärztlicher Machenschaften, in den Wahnsinn einer Zeit, die bestimmt wird von Krieg und Korruption, und von der höchsten Form der Verachtung der Menschenwürde: der Vernichtung angeblich unwerten Lebens. Der Roman kennt keine Kompromisse, denn gegenüber den betroffenen Kindern gab es sie nicht.“ (Enzo S., Flensburg-Szene)

„Diese Erzählung könnte als Buch verstanden werden, das für Kinder dieser Welt geschrieben - aber an Erwachsene gerichtet wird: schließt nicht die Augen, wenn Schwache hilfebedürftige Menschen von Ideologen und Verbrechern bedrängt werden. Dem Autor ist eine Erzählung gelungen, die kein Leser jemals vergessen wird.“ (Marler Zeitung)

„Als Mensch mit Gefühlen muss man einfach den kleinen Hugo »adoptieren« und sinnbildlich in die Arme nehmen, um ihn vor seinem Schicksal zu bewahren. Natürlich hat es keinen Zweck, denn das Kind wird weiter gequält und schliesslich ausgelöscht, einer verblendeten Wissenschaft, Geltungssucht und einer fanatischen Ideologie geopfert. Ein wichtiges Buch, dass man gelesen haben sollte!“ (Esther Schoenemann, Literaturzeitschrift.de)

Hugo Hassel ist der nette, kleine Junge von nebenan. Hemmann beschreibt das Leipziger Kind und dessen Psyche bis ins Detail. Allmählich erst begreift der Leser, in welcher Gefahr der Junge ist. Hugo, von seinem Vater brutal misshandelt, lässt Fritz entstehen, ein Ebenbild des aufgeweckten Jungen. Fritz ist lange Zeit der einzige Vertraute. Es fällt auf, dass Hugo äußerst intelligent ist, ebenso bemerkt ein Arzt bei Hugos Einschulungsuntersuchung die zweite Persönlichkeit. Der Junge wird fortan von Professoren der Kinderpsychiatrie beobachtet.
Zeitgleich rüstet sich die Regierung im Deutschen Reich für den größten Krieg seit Menschengedenken und parallel dazu für die Ausrottung unwerten Lebens. Hitlers Kindereuthanasie kommt in Gang. Unzählige Kinder sterben in Kinderfachabteilungen, aber auch in den Gaskammern, die von der Berliner T4-Zentrale im gesamten Reich eingerichtet werden.
Ein Meldebogen entscheidet über die „Behandlung“ der Kinder. Der Leipziger Universitätsprofessor von Rasch sieht seine Chance, mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Problematik multipler Persönlichkeitsspaltung, berühmt zu werden. Er fälscht Hugos Meldebogen und macht den Weg frei für Hugos „Desinfektion“ in der Vernichtungsanstalt Pirna-Sonnenstein.
Epilog des Buches "HUGO. Der unwerte Schatz"

Die Kinderfachabteilung einer Klinik diente während der NS-Zeit ausschließlich der Tötung ("Behandlung") der eingewiesenen Kinder. Die beteiligten Ärzte und Professoren empfanden keine seelischen Qualen, die todgeweihten Kinder für Experimente und Untersuchungen zu nutzen.
Die erste "Kinderfachabteilung" wurde im Oktober 1939 in Görden eingerichtet. Leiter dieser Anstalt war der "Reichsausschuss"-Gutachter Hans Heinze. Nach dem derzeitigen Forschungsstand (2009) ist von etwa 37 "Kinderfachabteilungen" auszugehen, die in bestehenden Heil- und Pflegeanstalten, Kinderkrankenhäusern und Universitätskinderklinken eingerichtet wurden.
Die Universitätskinderklinik Leipzig war die einzige Universitätskinderklinik, die sich direkt am Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten beteiligt hat. Spätestens seit 1941 wurde in der so genannten "Kinderfachabteilung" systematisch getötet. Nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung (2009) sind über die "Kinderfachabteilung" der Universitätskinderklinik keine Dokumente erhalten geblieben. Nachgewiesen sind allerdings Sonderzuwendungen des "Reichsausschusses zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden" an das Personal der Universitätskinderklinik. Weil es an der Universitätskinderklinik Leipzig an Betten für das Euthanasie-Programm fehlte, richtete die Landes-Heil- und Pflege-Anstalt Leipzig-Dösen am 19. Oktober 1940 die erste Leipziger "Kinderfachabteilung" ein.
Die mit einer "Behandlungs"-Ermächtigung eingewiesenen Kinder wurden in der Regel nicht sofort getötet, sondern dienten oft noch für Monate der wissenschaftlichen Forschung. So fand zum Beispiel eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Leiter der "Kinderfachabteilung" in der Landesheilanstalt Eichberg, Walter Schmidt, und dem Direktor der Universitäts-Nervenklinik Heidelberg, Carl Schneider, statt. Diese Opfer wurden in Heidelberg eingehend klinisch beobachtet und dann nach Eichberg verlegt, wo sie getötet und die Gehirne entnommen wurden.
Zu den Nutznießern der Kinder-"Euthanasie" gehörte auch das Kaiser-Wilhelm-Institut (KWI) für Hirnforschung in Berlin-Buch (Vorgänger des heutigen Max-Planck-Institutes für Hirnforschung in Frankfurt am Main). Der Abteilungsleiter für Hirnhistopathologie, Professor Julius Hallervorden, sammelte im KWI über 600 Gehirne von "Euthanasie"-Opfern. In der NS-Tötungsanstalt Bernburg sezierte er Leichen von Kindern, die aus der Landesanstalt Görden zur Tötung nach Bernburg gekommen waren. Der dortige Vergasungsarzt Heinrich Bunke war hierzu im KWI speziell für Gehirnsektionen ausgebildet worden.
Aber auch einem Teil der Kinderfachabteilungen waren Forschungsabteilungen angeschlossen, wo klinische Versuche, diagnostische Experimente und anatomische Forschungen betrieben wurden.

Während der Zeit der so genannten Kinder-Euthanasie im Dritten Reich, die in Wirklichkeit eine der größten Mordaktionen an Kindern war, versuchten einige der freiwilligen Helfer und Helferinnen, sich den geforderten Taten zu entziehen, nachdem sie das Vorgehen der Oberen durchschaut hatten. Sie wurden hart, vorwiegend mit dem Tode bestraft. Alle anderen wussten, dass ihnen Gleiches widerfahren könnte, sollten sie den Schwur der absoluten Geheimhaltung zur Sache brechen.
Das jüngere Personal des Gesundheitswesens wuchs mit der Rassenlehre auf. Der Sinn der nationalsozialistisch umgewerteten Eugenik, die Bedeutsamkeit einer arisch-nordischen Rasse für das Wohlergehen des Volkes, wurde den Schülern im Hauptfach Rassekunde eingebläut, so die Lehrer sich an die Lehrpläne hielten. Hitler benötigte für seine Ziele ein gesundes, durchtrainiertes, gruppentaugliches Volk, das nicht übermäßig intelligent sein sollte.
Teile der Bevölkerung und des nicht eingeweihten Personals wussten von den Vorgängen in den Anstalten des Deutschen Reiches. Eine Protestwelle gab es jedoch nicht. Aus Pirna wurden keinerlei Aktionen bekannt, auch nicht von den Würdenträgern beider Konfessionen.
Eine der wenigen Ausnahmen des aktiven Widerstandes war der Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen, der in drei Predigten Anfang August 1941 die Euthanasie im Deutschen Reich als "Ermordung Unschuldiger" anprangerte. Seine Reden wurden in Deutschland verbreitet und von den Alliierten als Flugblätter abgeworfen. Der "Löwe von Münster" sorgte maßgeblich dafür, dass Hitler die Vergasungen einstellen ließ. Dem Führer kam dies nicht ungelegen, wurden auf diese Art und Weise die Schergen frei, die anschließend unzählige Juden, Kriegsgefangene und politische Gegner professionell vernichteten. Der Euthanasie als solcher tat die offizielle Einstellung keinen Abbruch. Die Ideologie war im großen Maße in die Köpfe der Anstaltsleitungen gelangt. Die Vernichtung unwerten Lebens erfolgte von nun an auf anderem, allerdings parallel zur Vergasung längst praktiziertem Weg. Man ließ Verhungern und Verdursten und half mit Luminal nach, damit die Getöteten natürliche Todesmerkmale aufwiesen. Speziell für die Ermordung von Kindern wurden im Reich Kinderfachstationen eingerichtet, zwei davon in Leipzig. Man versuchte damit die Tötung der Kinder von der Aktion T4 abzutrennen.
Das Gelände der Tötungsanstalt "Sonnenstein" wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von einem volkseigenen Betrieb genutzt, über dessen Boden die in der Nähe entsorgte Asche der Ermordeten wehte.
Im Rahmen der Aktion T4 wurden in der Tötungsanstalt "Sonnenstein" in Pirna, einer am 9. 10. 1939 geschlossenen Heil- und Pflegeanstalt, nachweislich 13.720 Menschen durch Vergasung getötet. Die meisten Opfer brachte man aus Heil- und Pflegeanstalten in Sachsen, Thüringen, Schlesien und Bayern. Im Sommer 1941 starben weitere 1.000 KZ-Häftlinge aus Buchenwald im Pirnaer Giftgas.
Ein amerikanischer Offizier fand im Juni 1945 in einer Stahlkassette im Schloss Hartheim (die den Zahlen nach größte Vernichtungsanstalt) eine 39 Seiten umfassende Dokumentation - die Abschlussbilanz der Euthanasieaktion T4.
Die Tötung wurde von den Beteiligten im Allgemeinen als Desinfektion bezeichnet, um das Wort Tötung zu vermeiden. "Bis zum 1. September 1941 wurden desinfiziert: Personen 70.237. ... Bei einem durchschnittlichen Tagessatz von 3,50 RM ergibt sich hierdurch eine tägliche Ersparnis von RM 245.955,50 ..." Stückweise werden im Weiteren die "ersparten" Lebensmittel genannt.
Der im Buch auftauchende Hermann Paul Nitsche wurde 1947 am OLG Dresden zum Tode verurteilt und 1948 hingerichtet. Nitsche versuchte noch vor dem Gericht, die Sinnhaftigkeit der nationalsozialistischen Euthanasie zu erläutern. Das half ihm alles nichts.
Der Pfleger Räpke klärte in der Verhandlung viele Dinge auf, unter anderem, dass Antifaschisten oder für Hitler unangenehme Zeitgenossen zu Geisteskranken "umgeschrieben" wurden. Räpkes Todesstrafe wurde in eine lebenslange Zuchthausstrafe gewandelt.
Der Pirnaer Mordarzt Endruweit wurde 1967 vor dem Schwurgericht Frankfurt/Main "mangels Schuld" freigesprochen. Er hätte "irrigerweise geglaubt, das, was (den Ärzten) aufgetragen war, sei rechtens". Der Bundesgerichtshof sah 1970 Widersprüche im Verfahren und hob das Urteil auf. 1971 wurde ein neuer Prozess eröffnet, jedoch war Endruweit nicht mehr verhandlungsfähig. Stattdessen saß nun der holsteinische Internist Dr. Kurt Borm auf der Anklagebank, der gegen die Zahlung von 25.000 Mark (12.500 Euro) auf freien Fuß gesetzt wurde. Mit der Begründung, man hätte dem Angeklagten "nicht nachweisen können, er hätte bei Anspannung aller Kräfte erkennen müssen, dass mit der Massentötung Unrecht geschah", wurde auch Borm freigesprochen und konnte ungestört weiter praktizieren.

Ganz extrem ist es um einen führenden Kopf der Kinder-Mordaktion, um den in Mannheim geborenen und 1981 in Kiel verstorbenen, unter aufrichtiger Ehrung während der Beisetzung gewürdigten Werner Julius Eduard Catel bestellt. Der war von 1933 an Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Universität Leipzig und bis 1946 Direktor der Universitätskinderklinik Leipzig. Am 25. Juli 1939 tötete Catel - von Hitler wurde ihm durch Karl Brandt Straffreiheit zugesichert - in Leipzig das erste Kind, nachdem er dessen Vater zu einem entsprechenden Bittbrief an Hitlers Kanzlei überredet hatte. Dies gilt als Auslöser und Beginn der so genannten "Kindereuthanasie" der Nationalsozialisten. Angeblich wegen Bettenmangel an der Kinderklinik in der Oststraße in Leipzig, richtete er 1940 in Leipzig-Dösen eine "Kinderfachabteilung", später noch eine direkt in der Kinderklinik Leipzig ein, wo er Kinder nach dem "Luminal-Schema" von Hermann Paul Nitsche tötete, die er für geeignet hielt. Außerdem war er einer der drei Gutachter, die anhand der Meldung der Gesundheitsämter über Leben oder Tod tausender Kinder entschieden. Anhand von Belegen über die Zahlung von "Sonderzuwendungen" des "Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden" an Schwestern, konnte die Fortführung der Tötung von Kindern, nach der Zerstörung der Kinderklinik am 3. Dezember 1943, für das Jahr 1944 zumindest in einer Kinderfachabteilung im Dorf Klinga bei Leipzig nachgewiesen werden.
Im Jahre 1945 erfolgte die Vernichtung vieler Akten, daher waren Zahlen schwer überprüfbar. In Leipzig wurden Catel weit über 500 Fälle der Kindestötung nachgewiesen, die wirkliche Anzahl liegt deutlich darüber. Catel leitete nach 1947 die Kinderheilstätte Mammolshöhe in der Nähe von Kronberg, 1949 wurde er in Hamburg beim Entnazifizierungstribunal freigesprochen und 1954 zum Professor für Kinderheilkunde an der Universität Kiel. Die Tötung behinderter Kinder rechtfertigte er weiterhin und leugnete jede Schuld. Im Stasi-Archiv fand man Briefe von Catel, die seine Tätigkeit im Rahmen der Mordaktion belegen. Noch 1964 forderte Catel, dass in der BRD in jedem Jahr wenigstens 2000 "vollidiotische" Kinder getötet werden sollten. Auf Grund des öffentlichen Drucks emeritierte man ihn vorzeitig. Nach dem Tod vermachte er sein Vermögen der Universität Kiel mit der Bedingung, eine "Werner-Catel-Stiftung" für experimentelle und naturwissenschaftliche Forschung zu gründen. Erst nach massiven Protesten der Studenten verhinderte die Universität das Ansinnen. Noch kurz vor der Jahrtausendwende zierte sein Portrait die Kinderklinik in Kiel.
Interessant auch die Gerichtsbeschlüsse zum Leiter der Mordaktion in Pirna-Sonnenstein, der anschließend zum KZ-Arzt in Auschwitz aufstieg, dem berüchtigten Dr. Horst Schumann. Der floh zunächst in die Westzone, tauchte dort unter und verließ 1951 unbehelligt die BRD. 1966 wurde er jedoch von Ghana an Deutschland ausgeliefert. Erstaunlicherweise zog sich der Prozess in Frankfurt am Main so lange hin, dass es erst 1969 zur Hauptverhandlung vor einem Schwurgericht kam. 1971 wurde der Prozess ergebnislos abgebrochen. Dr. Horst Schumann, der allein auf Sonnenstein fast 14.000 unschuldige Menschen tötete, wurde für verhandlungsunfähig erklärt, die Sache war damit erledigt.
Verfahren gegen beteiligtes Personal endeten oft mit Freisprüchen oder Haftstrafen, die bald erlassen wurden.
Eine Ärztin, die sich im Rahmen der T4-Aktion um die Auswahl der zu vernichtenden Kinder zu kümmern hatte, wurde nach wenigen Monaten aus der Haft entlassen und praktizierte nach dem Krieg als Allgemeinmedizinerin weiter.
Ärzte, die Versuche an den zu Tötenden oder Getöteten durchführten oder durch deren Versuche Menschen starben, wurden nur selten belangt.
Durch die Euthanasie wurde eine Hemmschwelle überschritten, so dass die folgende Vernichtungsaktion erst die Dimensionen erreichen konnte, die heute bekannt sind.
Zum Thema selbst wurde und wird sich nur ungern geäußert, Euthanasieopfer waren meist nicht politisch auffällig, demzufolge selbst für sozialistische Propagandamaßnahmen uninteressant.

Am 12. September 1941 ging beim Oldenburgischen Innenministerium ein von der "Gemeinnützigen Krankentransport GmbH" verfasstes Schreiben zur Räumung des Gertrudenheimes im Kloster Blankenburg ein, so dass sich 290 Patienten abholbereit halten sollten. Das Auftauchen einer diesbezüglichen Pressemeldung ermunterte mich, nach langer Recherche mein Buch zu schreiben.
Unter den 220 Abtransportierten befanden sich 20 Kinder unter 6 Jahren, 64 waren 6 bis 14, 54 im Alter zwischen 15 und 21. Das jüngste Kind war gerade zwei Jahre alt. Den Abtransport übernahm die SS, die auch aufgebrachte Pflegerinnen zurückhielt. Obacht über den ordnungsgemäßen Verlauf hatte Obermedizinalrat Dr. Petri, Leiter der Wehnener Anstalt.
Mittlerweile wurde die Tötung von 120 Oldenburger Kindern in fränkischen Anstalten nachgewiesen.
Dieses historisch bewiesene Beispiel sei stellvertretend genannt für die Glaubhaftigkeit der Ereignisse im für das Buch frei erfundenen Kinderheim Rommelstein bei Pulsnitz.
Erst im Jahre 2000 - fast sechzig Jahre nach den schrecklichen Verbrechen - wurde in Pirna eine Gedenk- und Begegnungsstätte eröffnet.

Einen Menschen zu töten, der sich am Anblick einer Blume erfreuen kann, wenngleich er nicht zum Laufen fähig ist, einen Menschen zu töten, der verwirrt ist, weil ihm in einer Bombennacht Familie, Freunde und Heim genommen wurden, einen Menschen zu töten, um seine Organe zu untersuchen, einen Menschen zu töten, weil er gar einer anderen Rasse oder Konfession angehört; einen Menschen zu töten, dessen Beine nach einem Unfall verkrüppelt sind, einen Menschen zu töten, weil er der Gesellschaft zu teuer ist - wer solches veranlasst, unterstützt oder nicht verhindert, sollte selbst nicht als Mensch bezeichnet werden.

Ein großer Teil jener Schergen, die im eigenen Land Behinderte ermordeten, die im eigenen Land Kinder verhungern ließen, um Platz für Kriegsverwundete zu schaffen, um Geld für die Rüstung zu sparen, ein großer Teil jener Schergen baute nach Beendigung der Vergasungsaktion im Rahmen der so genannten Euthanasie die schrecklichsten Vernichtungslager seit Menschengedenken auf, in denen Hitler Millionen Männer, Frauen und Kinder töten ließ, deren Einzelschicksale nicht erzählt werden können.
Zunächst ersuchte Himmler den mit der Euthanasie beauftragten Reichsleiter Bouhler um Unterstützung, arbeitsunfähige KZ-Insassen zu ermorden (Sonderbehandlung 14f13). So machte sich unter anderen Dr. Schumann auf nach Auschwitz, wo es damals (Juli 1941) noch keine Massenvernichtungsanlagen gab, 575 polnische Häftlinge wurden ausgewählt, auf den Sonnenstein gebracht und unverzüglich vergast und verbrannt. Der Brückenschlag zur "Endlösung in der Judenfrage" war getan.
Wahrscheinlich waren es mehr als 6 Millionen Menschen, die unter anderem in Auschwitz, Belzek, Chelmno, Majdanek, Maly Trostinez, Sobibor und Treblinka ihr Leben ließen. Und immer wieder tauchen Informationen auf, dass Ärzte den Umstand auszunutzen wussten, ihre schmutzigen Experimente an den "unwerten" Kindern, Frauen und Männern durchzuführen, natürlich im Namen der Wissenschaft.
Die Euthanasie unter Hitler war - egal ob verordnet oder wild durchgeführt - ein Mord, der ausschließlich dazu dienen sollte, staatliche Gelder zu sparen, Platz für Kriegsverwundete zu schaffen oder letztendlich die Wünsche der Ärzte nach menschlichem Untersuchungsmaterial zu befriedigen. In nur wenigen Fällen war eine Euthanasie gerechtfertigt und von den Angehörigen befürwortet.
Euthanasie kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Schöner Tod". Allein die Verwendung des Begriffes für Hitlers Massenmord ist ein Hohn auf die gepeinigten Opfer.
Ausführende Organe waren fast immer Ärzte, die damals den Eid des Hippokrates zu schwören hatten - auch ein Werner Catel - ein Eid, der nicht zuletzt aufgrund der neuzeitlichen Überlegungen, und vor allem wegen der Ereignisse im dritten Reich, in das Genfer Gelöbnis umgewandelt wurde.
Seit dem Jahr 2006 fanden sich in Leipzig etliche Menschen, um den getöteten Kindern ein Denkmal und den Überlebenden ein Mahnmal zu setzen.
Es ist anzunehmen, dass dieses Buch einen Beitrag dazu leistet.

Tino Hemmann